Fachtagung “Digitale Souveränität und Cloud-Nutzung in der Bildung” Fragen der Teilnehmenden

Auf dieser Seite beantworten wir nach und nach die Fragen der ZuschauerInnen, die leider aufgrund der zeitlichen Begrenzung der Fachtagung nicht direkt an die Keynote-Speaker und Panel-TeilnehmerInnen gestellt werden konnten.

Wie kann ich nicht technikinteressierte Lehrkräfte die Schul-Cloud näherbringen?

Die am Pilotprojekt beteiligten Schulen haben verschiedene Methoden entwickelt, auch diejenigen Kolleginnen und Kollegen mitzunehmen, die weniger medienaffin sind. Bewährt hat sich, die Schul-Cloud-Nutzung zunächst bei internen Besprechungen von Lehrkräften oder bei regelmäßigen Kurzfortbildungen ohne Schülerinnen und Schüler zu nutzen. So werden die Funktionalitäten und Möglichkeiten kennengelernt. Ein interessanter Ansatz ist auch die Bildung von Tandems: eine medienaffine (mit der Schul-Cloud vertraute) Lehrkraft und eine weniger medienaffine (nicht mit der Schul-Cloud vertraute) Lehrkraft bilden ein Kleinteam und arbeiten für einen Zeitraum verbindlich zusammen, bspw. um eine Unterrichtsstunde in der Schul-Cloud vorzubereiten.

Ist es angedacht, OER aber auch “Bezahlapps” in das Cloudsystem aufzunehmen?

Es ist geplant, sowohl frei lizenzierte Bildungsmedien (Open Educational Resources, OER) als auch proprietäre Bildungsmedien (z.B. Verlagsmedien oder Apps) anzubieten. Letztere müssten – so wie es das Schulgesetz vorsieht – vom Träger erschlossen werden.

Im Beitrag des Datenschutzspezialisten wurde ausgeführt, dass die Schulen jetzt ein Datenschutzkonzept an die Hand bekommen. Müsste nicht eigentlich solch ein Konzept vor der Softwareeinführung an den Schulen vorliegen? Hier wird doch der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Ist das überhaupt rechtlich zulässig?

Für die derzeit im Land Brandenburg laufende Pilotierung liegen den Schulen die Datenschutzdokumente zur Schul-Cloud vor. Diese müssen ggf. durch die Schule an die spezifischen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Jeder neuen Schule werden die Dokumente ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Ich möchte mit dem Geld des DigitalPakts für jeden Schüler der Schule einen Laptop oder ein Tablet kaufen. Kann ich immer noch nicht, da die 20% Klausel der mobilen Endgeräte oder 25.000€-Regel gilt. Frage ist im Zuge der Corona-Krise angedacht, das zu ändern?  

Die Bestimmungen der zwischen Bund und Ländern geschlossenen „Verwaltungsvereinbarung DigitalPakt Schule 2019 bis 2024“ gelten weiterhin – trotz Corona Pandemie (Informationen hierzu finden Sie hier). Eine Änderung der 20-Prozent- Klausel für mobile Endgeräte ist der DigitalAgentur Brandenburg nicht bekannt. Hinzugekommen sind jedoch zusätzliche Mittel für die Sofortausstattung von Schülerinnen und Schülern mit Leihgeräten.  

Wir haben vom HPI gehört, dass der Einsatz und die Nutzung der Schul-Cloud perspektivisch in die Verantwortung (heißt auch Finanzierung) der jeweiligen Länder übergehen wird. Infrastruktur für eine zeitgemäße Bildung heißt ja auch für Bildung außerhalb des Systems Schule. Gibt es Überlegungen für eine Öffnung für Berufliche Schulen, Volkshochschulen, Medienzentren etc. ?

Die Einführung einer Schul-Cloud ist ein hochkomplexes Vorhaben. Deshalb ist es sinnvoll, hier Schritt für Schritt vorzugehen. Zunächst ist die Schul-Cloud eine Infrastruktur für die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land Brandenburg. Wenn die Infrastruktur in diesen Bereichen geschaffen ist, kann die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern geklärt werden.

Wie kann die Schul-Cloud auch für die Aufgaben der Schulleitungen und der Kooperationen genutzt werden? 

Für interne schulische Verwaltungsvorgänge und Kommunikationsprozesse stehen Schulleitungen im Land Brandenburg mit weBBschule und der Lehrkräfte-E-Mail standardisierte Tools zur Verfügung. Die Schul-Cloud bietet zusätzlich Funktionen für die Kommunikation und Kollaboration für verschiedenste Teams, schulintern (zwischen Lehrkräften und SchülerInnen) oder unter Einbeziehung von (schul-)externen Partnern. Durch die Möglichkeit der sicheren und datenschutzrechtlich konformen Einbeziehung dieser Partner eröffnet die Schul-Cloud ein weites Feld für Schulentwicklung, Teilhabe und Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich.

Wie will Brandenburg es umsetzen, dass Schulträger als Infrastrukturträger und das Land besser zusammenarbeiten? 

Als Scharnier zwischen Land und Kommunen eröffnet die DigitalAgentur Brandenburg die Möglichkeit der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Land und kommunalen Schulträgern. Die Vorsicht der Landesebene bei der Definition von Standards (aufgrund des Konnexitätprinzips) und Vorbehalte der Träger gegenüber zentralen Vorgaben können durch die pragmatische Zusammenarbeit mit der DigitalAgentur Brandenburg überwunden werden. Im Mittelpunkt stehen kollaboratives Wissensmanagement, die Erschließung von Skaleneffekten und der Transfer von Best Practice Erfahrungen.

Ist in der Schul-Cloud die berufliche Bildung im Kontext von möglichen Schnittstellen zu Ausbildungsbetrieben bzw. deren Ausbildungsabteilungen, berücksichtigt?

Konzeptionell ist die Schnittstelle von Anfang an bei der Pilotierung mit bedacht worden, die konkrete Ausgestaltung rückt bei Pilotierung und Roll-out ab Schuljahr 2020/2021 stärker in den Mittepunkt.  

Der Zugang zur HPI Schul-Cloud ist nicht einfach genug; es wird leider immer noch eine private Mail benötigt. Eine Single Login über die Schul-Cloud zu den Schulbuchverlagen wäre durchaus sinnvoll.

Das einmalige Login mit privaten Mailadressen ist ein Auslaufmodell und wurde nur vorübergehend im ersten Jahr der Pilotierung genutzt. Zukünftig soll der Prozess mit standardisierten SchülerInnen-Accounts ermöglicht werden. Der Single Sign-on wird angestrebt und soll datenschutzkonform über eine Pseudonymisierungsschnittstelle erfolgen. 

Unterscheidet sich die Funktionsweise der HPI- Cloud eigentlich von der Brandenburg Schul-Cloud?

Vor dem Hintergrund der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Entwicklung der Open-Source-basierten HPI-Schul-Cloud und der seit 2019 zunehmend synchronisierten Pilotierung in den Ländern Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen ist aktuell der Funktionsumfang der unterschiedlichen, systemisch klar getrennten Instanzen weitgehend identisch. Die grafische Ausgestaltung der Oberflächen und die Möglichkeiten des Zugriffs auf Content hingegen unterscheiden sich deutlich.